Komm mit zu unserem Besuch der Efterskole in Dänemark

Vom 22.02. bis zum 28.02.2026 waren wir in der Efterskole in Ryslinge zu Gast und durften in ein besonderes dänisches Schulmodell eintauchen.

Wir nehmen euch mit in ein anderes Schulleben.

Die Efterskole ist eine echte Gapyear- Schule. Hier bleiben die 16- 17-jährigen ein Jahr in einem Internat zusammen.

Es werden immer 150 Jugendliche aufgenommen, die dann in einem der drei Schlafhäuser überwiegend in 2er Zimmern untergebracht werden, die ganz individuell eingerichtet sind. Für je 26 SchülerInnen gibt es zudem eine Art Wohnzimmer und einen kleinen Küchenbereich. Gegessen wird gemeinsam in einem großen Speisesaal. Neben den Hauptmahlzeiten gibt es häufige so genannte Refreshments, Gelegenheiten, Kleinigkeiten zu essen und zu trinken. Niemand muss also Hunger leiden. Es gibt einen eigenen Koch mit eigenem Küchenteam, das nicht nur alle mit unglaublich leckeren Speisen verwöhnt, sondern auch sehr gerne gemeinsam mit den Jugendlichen arbeitet. Alle SchülerInnen haben im Laufe eines Jahres regelmäßig mit dem Team Küchendienste und lernen so für 150 z. B. Gemüse schnippeln, Burger kneten und panieren, nach den Mahlzeiten Unmengen an Geschirr zu spülen, aufzuräumen und die Arbeitsflächen zu säubern. Auch die Wohnbereiche werden jeden Tag eigenständig aufgeräumt – nur in den Zimmern gibt es größere Freiheiten.

Wer nach der 10. Klasse seine Quali für die Oberstufe hat, aber noch nicht sicher ist, was er in Zukunft machen möchte, welche Schwerpunkte er für sich wählen könnte oder wer einfach unsicher ist, seine nächsten Schritte ins Leben zu wagen, kann sich an dieser Schule ein Jahr lang austoben. Neben den klassischen Fächern Mathe, Englisch, Dänisch (Deutsch ist neben Französisch hier natürlich „nur“ eine Fremdsprache) wählen hier alle einen speziellen Schwerpunkt, in dem sie intensiv in Projekten arbeiten. Zur Wahl stehen neben Naturwissenschaften auch Kunst, Mediengestaltung, Theater, Musik und Adventure, was sich überwiegend auf Outdoor- Sportarten bezieht.

Die Jugendlichen, die hier ankommen, kommen aus dem ganzen Land, kennen sich zu Beginn nicht und haben von Anfang an die Chance, so viele Menschen wie irgend möglich kennen zu lernen. Dafür werden sie vielfältig bunt gemischt. Neben ihren Schwerpunktkursen werden sie drei großen Teams zugeordnet und darüber hinaus noch in 17 Kontaktgruppen eingeteilt. Das sind kleine Gruppen von ca 9 Jugendlichen, die einen Lehrenden als feste Bezugsperson haben. In diesen Gruppen lernen alle, einander besonders zu vertrauen, Schwächen, Sorgen und Probleme zu teilen. Es wird immer darauf geachtet, dass gleiche Schwerpunkte, gleiche Teams und sogar Zimmernachbarn nach Möglichkeit nicht in derselben Kontaktgruppe sind. Die Anordnung der Zimmer auf den Fluren ist zumeist abwechselnd je ein Jungen- und ein Mädchenzimmer. Es gibt ein kleineres Haus, in dem ausschließlich Mädchen wohnen.

Stellen wir uns jetzt vor, dass du die Schule nach der 9. Klasse beendet hast und SchülerIn der Efterskole bist. Du lebst in einem Zweibettzimmer und ihr gestaltet es nach euren Wünschen. Morgens startet ihr mit einem kurzen Spaziergang. Um 7:55 gibt es Frühstück. Du sitzt im großen Speisesaal zusammen mit den 9 Jugendlichen deiner Kontaktgruppe. Deine Kontaktlehrkraft kommt erst am Mittag. Jetzt seid ihr Jugendlichen unter euch. Du hast heute Tischdienst und räumst das Geschirr in die großen Körbe der Spülmaschine. Nun musst du dich beeilen, um pünktlich in der Versammlung zu sitzen. Im Versammlungssaal haben sich schon vor über 100 Jahren Menschen versammelt, die etwas Neues lernen wollten. Ihr startet mit einem Lied. Heute erzählt dein Lehrer von seiner Reise nach Südafrika. Danach holst du deine Schulsachen. Heute startet der Tag mit Mathe. Die 75 Minuten starten auf gemütlichen Sitzwürfeln. Die Anwesenheit wird kontrolliert und ihr sprecht gemeinsam über den Plan der Stunde. Du hast das mit den Winkeln verstanden und kannst in einem anderen Raum üben. 8 MitschülerInnen bekommen nochmal eine Zusammenfassung an der Tafel und starten dann mit den Übungsaufgaben. Du freust dich auf die kurze Pause. Im Speisesaal gibt es heute warme Brötchen mit Käse oder Marmelade. Danach hast du 75 Minuten Englisch. Im kleinen Kino der Schule schaut ihr einen Film und diskutiert darüber. Das Mittagessen haben in der Zeit 6 Jugendliche mit dem Küchenteam zusammen gekocht. Du freust dich über Kartoffeln mit Salat und Fisch, dabei triffst du deine Kontaktlehrperson. Sie hat dich in diesem Schuljahr schon durch viele Höhen und Tiefen begleitet. Die Kontaktgruppe ist deine kleine Familie hier im Internat. Nach der Mittagspause steht dein Schwerpunktfach auf dem Stundenplan. Du hast dich für „Abenteuer“ entschieden und ihr macht heute die erste Mountainbike-Tour. Beim Mittagessen erzählt deine Tischnachbarin aus ihrem Schwerpunkt. Sie hat „Naturwissenschaften“ gewählt. Der Escape Room in der alten Schmiede ist fertig. Jetzt plant sie ein Projekt rund um die Schule. Sie überlegt, ob sie ein freies Internet einrichten kann, dass in allen Zimmern gut funktioniert. Euer Tischnachbar ist als Gitarrist in „Musik“. Er übt für ein Konzert und hat schon viele Ideen für seinen eigenen Song, den er ab nächster Woche schreiben wird. Nun ist der Schultag um. Beim Abendessen sprecht ihr über die Party am Freitag. Danach darfst du endlich dein Handy aus dem Schließfach holen. Die Regeln sind streng. 2 Stunden darfst du nun das Handy nutzen und mit Freunden zuhause schreiben. Die ruhige Stunde vergeht in deinem Zimmer wie im Flug. Danach macht ihr es euch im Wohnzimmer des Flures gemütlich. Mit dem Abendimbiss um 20:30Uhr geht der Tag im Speisesaal zu Ende. Um 22Uhr kommt eine Lehrerperson vorbei und fragt, ob alles ok ist. Sie wünscht dir eine gute Nacht. Im Zimmer plant ihr eure Outfits für die Party bevor ihr einschlaft.

 

Unsere Eindrücke im Überblick:

– Die Lerngruppe sind klein (10 – 20 SchülerInnen).

– Die Räume sind groß. In jedem Raum gibt es eine Sitzecke.

– Die Atmosphäre ist herzlich.

– Lehrkräfte verstehen sich als Lernbegleitungen.

– Die wenigen Regeln sind klar und wichtig.

– Lernprozesse werden besprochen und reflektiert.

– Talente werden gefördert.

 

Oliver Barkschat und Wiebke Gerhardt

 

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