Vrijheidsmuseum Groesbeek

Am 19. Januar 2026 begaben sich der Leistungskurs Geschichte sowie die bilingualen SchülerInnen der Q2 gemeinsam mit Herrn Ganser und Frau Schoenen auf eine eindrucksvolle Reise in die Vergangenheit: Ziel war das Freiheitsmuseum Groesbeek in den Niederlanden. Schon beim Betreten des Museums wurde deutlich, dass dieser Tag weit mehr sein würde als eine gewöhnliche Exkursion – er entwickelte sich zu einer intensiven, persönlichen Begegnung mit Geschichte.

Zu Beginn wurde der historische Rahmen gespannt: Wie konnte es überhaupt zur nationalsozialistischen Diktatur kommen? Anschaulich und eindringlich wurde aufgezeigt, wie politische Instabilität, wirtschaftliche Krisen, gesellschaftliche Verunsicherung und gezielte Propaganda eine Demokratie Schritt für Schritt aushöhlen können. Für uns als Q2 war dies zwar eine Wiederholung zentraler Unterrichtsinhalte, doch in der konkreten Darstellung wurde spürbar, dass es sich nicht nur um historische Fakten handelt. Es sind Entwicklungen, die aus realen Ängsten, Fehlentscheidungen und bewusster Manipulation entstanden sind – und die uns mahnen, wachsam zu bleiben.

Besonders bereichernd war es, den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive der Niederlande zu betrachten. Die Besatzungszeit, der Widerstand, die Verfolgung jüdischer Bürgerinnen und Bürger sowie die lang ersehnte Befreiung erhielten durch persönliche Schicksale eine neue Tiefe. Diese Perspektivverschiebung ließ uns erkennen, wie unterschiedlich Geschichte erlebt und erinnert wird – und wie wichtig es ist, über nationale Grenzen hinauszublicken, um historische Verantwortung wirklich zu begreifen. Obwohl die Niederlande während des Krieges massiv unter den Deutschen litten, erläutert das Museum ganz neutral die Entwicklungen des Krieges. Es geht dort nicht darum Opfer und Täter zu bestimmen, sondern ein Verständnis für das unfassbare Ausmaß dieser Katastrophe zu schaffen. Ziel ist es, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Das Museum überzeugte zudem durch seine interaktive Gestaltung. In einem nachgebauten Bunker einen Bombenangriff mitzuerleben, war eine beklemmende Erfahrung, die uns einen Eindruck von der ständigen Angst der Zivilbevölkerung vermittelte. Ebenso eindrücklich waren die Entscheidungsszenarien, in denen wir selbst Position beziehen mussten: Wie hätte ich gehandelt? Hätte ich Widerstand geleistet? Hätte ich geschwiegen? Diese Momente machten deutlich, wie komplex moralische Entscheidungen unter diktatorischen Bedingungen sind – und wie schnell man selbst Teil eines Systems werden kann, wenn man nicht bewusst Stellung bezieht.

Ein besonders bewegender Abschluss des Tages war der Besuch des Groesbeek Canadian War Cemetery. Zwischen den weißen Grabsteinen wurde das unfassbare Ausmaß des Krieges greifbar. Viele der gefallenen kanadischen Soldaten waren kaum älter als wir. Ihre Namen und Lebensdaten erinnerten daran, dass hinter jeder Zahl ein junger Mensch mit Hoffnungen, Träumen und einer Zukunft stand, die ihm genommen wurde. Es war zutiefst berührend, ihre Geschichten zu erfahren – und zugleich ein Moment stiller Dankbarkeit für ihren Einsatz zur Befreiung Europas.

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage gewinnt die Auseinandersetzung mit diesen Themen eine besondere Dringlichkeit. In vielen Ländern erstarken populistische Bewegungen, demokratische Institutionen geraten unter Druck, gesellschaftliche Debatten werden zunehmend polarisiert geführt, und Desinformation verbreitet sich rasant über soziale Medien. Die Geschichte der 1930er-Jahre zeigt eindringlich, wie schnell demokratische Werte ins Wanken geraten können, wenn Angst geschürt, Feindbilder konstruiert und einfache Lösungen für komplexe Probleme propagiert werden. Die Beschäftigung mit der Entstehung der NS-Diktatur ist daher kein rein historisches Interesse, sondern ein zentraler Beitrag zur politischen Bildung und zur Stärkung demokratischer Resilienz.

Die Exkursion hat uns vor Augen geführt, dass Freiheit, Frieden und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie müssen geschützt, verteidigt und aktiv gelebt werden. Der 19. Januar 2026 war somit nicht nur ein Tag des historischen Lernens, sondern ein Tag der Verantwortung – eine eindringliche Erinnerung daran, wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen, um die Gegenwart bewusst zu gestalten und die Zukunft demokratisch zu sichern.

Mehr aus der Fachschaft

28. Februar 2026

Vrijheidsmuseum Groesbeek

Am 19. Januar 2026 begaben sich der Leistungskurs Geschichte sowie die bilingualen SchülerInnen der Q2 gemeinsam mit Herrn Ganser und Frau Schoenen auf eine eindrucksvolle Reise in die Vergangenheit: Ziel  . . .

3. April 2025

Gedenkstättenfahrt nach Dachau

Im Rahmen unserer Gedenkstättenfahrt nach Dachau mit historisch Interessierten aus dem 10. Jahrgang und der Q1 haben wir an einem Workshop im ehemaligen Konzentrationslager teilgenommen. Dieser Workshop sowie der Besuch  . . .

30. Juni 2024

Auschwitz-Fahrt – 2024

In diesem Schuljahr besuchten wir, das sind einige Schüler*innen der Q1, gemeinsam mit Frau Schoenen und Frau Lehmann, für fünf Tage Krakau, Polen. Am 06.06.2024 ging es mit viel Vorfreude  . . .

24. April 2023

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen…“

Am 24.4.2023 fand in der Aula eine Lesung des bekannten Schauspielers Roman Knižka in Kooperation mit der F. Victor Rolff-Stiftung statt. Die Lesung wurde musikalisch durch das Bläserquintett „Opus 45“,  . . .