Ein nicht gerade alltägliches Telefongespräch führte der Langerweher Europaschüler Calvin Schölzke vergangenen Montag mit dem deutschen Astronauten Matthias Maurer, der z.Zt. auf der ISS lebt und arbeitet.
Auf die Frage, wie er zu solch einer Ehre gekommen sei, antwortet Calvin selbst etwas erstaunt: „Wir saßen im Q1-Projektkurs „Jugend gestaltet den Strukturwandel“, in dem es gerade um das Thema Wasserstoff ging, als unsere Lehrerinnen Frau Gerhardt und Frau Dassen erzählten, dass Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit hätten, einmal mit der ISS zu telefonieren und eine Frage an den ESA-Astronauten Matthias Maurer zu stellen, der sich seit November vergangenen Jahres dort oben befände.“
„Daraufhin diskutierten wir im Kurs über sinnvolle Fragen, die man ihm wohl stellen könnte. Nachdem wir uns einen umfangreichen Katalog überlegt hatten, schickte jeder Schüler eine von ihnen per Email an die FH Aachen und meine Frage wurde dann schließlich ausgewählt, nämlich die nach der schwierigsten Aktivität, die mein Gesprächspartner dort oben in der Schwerelosigkeit bisher ausgeführt habe.“
Kurze Zeit später traf aus Aachen eine Antwort ein, aus der hervorging, dass Calvins Frage als einzige aus dem Kurs ausgewählt worden war. Calvin wurde nun zusammen mit Schülern anderer Schulen vor dem Livestream in zwei Zoom-Meetings genauestens darauf vorbereitet, wie sie ihre Fragen dem Astronauten stellen sollten. Außerdem wurde ihnen erklärt, wie die Kommunikation zwischen der Bodenstation und der ISS abläuft.
Am Montagvormittag, dem Tag des anstehenden Livestreams, fuhr Calvin zur FH Aachen, wo er mit anderen ausgewählten Schülerinnen und Schülern zusammentraf. Studenten und Wissenschaftliche Mitarbeiter stellten nun eine Verbindung mit der ISS her, so dass Calvin schließlich auch seine Frage im Rahmen des Livestreams an Maurer stellen konnte.
Der ursprünglich aus dem Saarland stammende Matthias Maurer, der an der FH Aachen am Institut für Werkstoffwissenschaften zum Dr.-Ing. promovierte, hatte sich 2008 mit fast 8500 anderen Bewerbern bei der Europäischen Weltraumorganisation als Astronaut beworben und als einer von zehn Kandidaten das Auswahlverfahren bestanden; er wurde jedoch zunächst nicht ins Europäische Astronautenkorps berufen. 2010 begann er, für die ESA als sogenannter „Astronauten-Support-Ingenieur“ sowie als „Eurocom-ISS-Flight-Controller“ im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln zu arbeiten. Im September 2014 nahm er am Höhlenforschungs- und Trainingsprogramm „Caves“ der ESA teil.
Im Juli 2015 entschied die Europäische Weltraumorganisation ESA, Maurer als Teil der 2009er Astronautenklasse nachzunominieren. Vom 21. Juli bis 5. August 2016 war er Mitglied der 21. NEEMO-Mission der NASA, eines Unterwassertrainingsprogramms für zukünftige ISS-Besatzungen in Florida. 2017 wurde Maurer ins Europäische Astronautenkorps aufgenommen. Seine Grundausbildung schloss er am 25. September 2018 ab. ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich
Wörner sicherte ihm damals zu, dass er innerhalb von drei Jahren zur ISS fliegen werde.
Im Juli 2020 wurde Maurer als Ersatzmann für Thomas Pesquet für die ISS-Expedition 65 und der Mission Alpha eingeteilt. Sein erster eigener Raumflug wurde die Mission SpaceX Crew-3 zur ISS-Expedition 66. Der traditionell von der ESA vergebene Name seiner ISS-Mission lautet „Cosmic Kiss“. Nach mehreren Verschiebungen startete Maurer schließlich am 11. November 2021 zur ISS, wo er nun etwa sechs Monate arbeiteten wird. Damit ist er der zwölfte deutsche Raumfahrer.


Und was ist nun Maurers Antwort auf die ihm von Calvin gestellte Frage?

„Matthias Maurer sagte, dass der bevorstehende Außeneinsatz (sog. EVA = Extravehicular Activity) das für ihn wohl derzeit schwierigste Ereignis sein werde“, so Calvin.

Er und seine Mitschülerinnen und Mitschüler, die den Livestream natürlich am Montag gebannt in ihrem Kursraum in Echtzeit mitverfolgten, wünschen dem ESA-Astronauten ein erfolgreiches Gelingen seines Außenboardeinsatzes und dass er wohlbehalten zur Erde zurückkehrt.