Namaste!“ („Ich verbeuge mich vor dir.“) – so grüßt man sich überall in Indien. „Assalamu Alaikum!“ („Der Friede und die Gnade Allahs seien mit dir.“) sagt man in der arabischen Welt. Ich bin Rosalie Heinen, Lehramtsstudentin für die Fächer Biologie und Deutsch an der Uni Köln und Ehemalige der Abiturientia 2007.

Schon zu Beginn der Oberstufe war mir klar: mich ruft die Ferne. Im Laufe der 11 wuchs in mir der sehnliche Wunsch heran, einige Zeit im Ausland zu leben. Am liebsten nach Indien! Nur… wie kommt man da hin?

Ich wühlte mich durch Infoveranstaltungen wie „Wege ins Ausland“ und schrieb unzählige Bewerbungen an Hilfsorganisationen. Immer vergeblich.

Nach dem Abi studierte ich Asienwissenschaften, um meinem Fernweh eine realistische Chance zu geben, bemerkte allerdings schnell, wie meine Motivation für diesen Studiengang in Vorlesungen z.B. über die Kriegszüge der Mongolei mehr und mehr abnahm. Irgendwie fühlte ich mich zu Höherem berufen.

Fast 4 Jahre nach meiner ersten Bewerbung war der Traum vom Ausland trotz aller Bemühungen eine Illusion geblieben. Mit dem finalen Schritt Lehramt zu studieren, hatte ich mich schon fast bewusst für ein Leben in Deutschland entschieden.

Wer hätte gedacht, dass genau diese Wahl mein Sprungbrett ins Abenteuer sein würde. Plötzlich bekam ich den ersehnten Anruf einer längst vergessenen Bewerbung. Kurze Zeit später beantragte ich zwei Freisemester und saß im Flugzeug nach Indien.

Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres unter dem Träger „Weltwärts“ sang, bastelte und spielte ich 12 Monate lang in einer Grundschule für benachteiligte Kinder aus den Slums Ahmedabads. Nebenbei jobbte ich als Deutsch- und Französisch- Tutorin in einem Abendkurs für Erwachsenenbildung.

Und plötzlich war ich auch mittendrin in diesem bunten, aktiven Topf voller internationaler Bekanntschaften und Möglichkeiten. Ich lehrte Englisch in der Grundschule, bereiste das Land in alle Himmelsrichtungen und erlebte die verrückten Abenteuer eines ganz gewöhnlichen Alltags in der 6größten Stadt dieses unglaublichen Subkontinents.

Nach meinem Freiwilligendienst hatte ich das Gefühl, die ganze Welt stände mir offen. Inzwischen hatte ich weitere Jobangebote von Schulen in Indien, Tansania und Vietnam. Ich war keine 5 Wochen in Deutschland, bis der nächste Flieger ging. Diesmal nach Ägypten.

Seit Oktober arbeite ich als Vollzeitpraktikantin an einer internationalen deutschen Schule im südlichen Luxor, lebe in einer Villa am Nil, teile mir die Wohnung mit meiner Kollegin Tobie aus San Francisco und genieße nach Feierabend die Aussicht auf das Tal der Könige.

Während meiner Auslandsaufenthalte habe ich vor allem gelernt, geduldig und flexibel zu sein, Problemen gelassen ins Auge zu sehen und trotz chaotischer Umstände mein Leben in vollen Zügen zu genießen. Ich habe einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Völker unserer Erde gewonnen und kann es kaum erwarten, noch viel mehr zu entdecken, weitere Sprachen zu lernen und neue Abenteuer zu erleben.

Ich war schon immer gerne aktiv. In der Gesamtschule Langerwehe habe ich leidenschaftlich hinter den Büchern gesessen, schon da Auslandsprogramme „mitgenommen“, die Interessen der SV vertreten und mich als Schülersprecherin engagiert.

Aber in meiner Schulzeit dort habe ich vor allem gelernt, dass Träume nicht in den Schlaf gehören, sondern ins Leben!